Voraussetzungen und Ziele der Psychotherapie

Voraussetzungen

  • Von Seiten des Therapeuten/der Therapeutin

Psychotherapie ist eine spezielle Form von Beziehung und Kommunikation insofern, als es hier nur  um einen der beiden Kommunikationspartner geht (bei Einzeltherapie um den Patienten, bei Gruppenpsychotherapie um die einzelnen Gruppenteilnehmer). Der Therapeut/die Therapeutin bringen nicht Alltagsüberzeugungen ein, sondern Expertenwissen und Expertenverhalten. Das heißt die Einflussnahme durch den Therapeuten/in und die Art wie durch ihn/sie die Beziehung gestaltet wird erfolgt auf der Grundlage einer methodisch definierten langjährigen Ausbildung. Dazu gehören das spezielle Krankheitsverständnis, die wissenschaftlichen Theorien, erlernte Gesprächstechniken sowie die Selbsterfahrung des Therapeuten/in in seiner/ihrer Ausbildung.

  • Von Seiten des Patienten/der Patientin

Braucht es eine Einsicht und Bereitschaft zur Selbstreflexion. Diese zeigt sich in der Regel in einem Leidensdruck aufgrund von Symptomen im Bereich des Erlebens und Verhaltens sowie der sozialen Beziehungen und unter Umständen auch körperlichen Funktions-Störungen und Beschwerden. Immer braucht Psychotherapie ein spontanes Vertrauen mit der Bereitschaft, sich im Dialog zu öffnen, Schwierigkeiten in der Wahrnehmung der eigenen oder der anderen Person anzusprechen und sich letztlich auf einen Prozess einzulassen, dessen Erfolg angestrebt wird, doch nicht sicher absehbar ist.

Psychotherapiemethoden

Die moderne Psychotherapie beginnt im 19. Jahrhundert und hat sich in dieser mehr als 100-jährigen Geschichte weiter entwickelt in zwei wichtige Richtungen: die psychodynamischen Verfahren (Psychoanalytisch und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie) und die Verhaltenstherapie. In unserer Psychotherapie-Praxis kommen die psychodynamischen Verfahren zur Anwendung.

Beiden Verfahren liegt jeweils eine differenzierte Krankheitslehre und ebenso eine je eigene Theorie der Behandlungstechnik zugrunde. Beide Verfahren konnten in Studien ihre Wirksamkeit belegen. Die psychodynamischen Verfahren zielen auf ein Verstehen eigener Motive und Lebensorientierung ab. Im verhaltenstherapeutischen Ansatz geht es darum, unzuträgliches Verhalten durch Umlernen zu ändern. Wichtige Medien in der therapeutischen Arbeit sind die Sprache als Ausdruck des Denkens, Erinnerns und Fühlens sowie die Beziehungsgestaltung in der therapeutischen Kommunikation, die Körperhaltung des Patienten sowie seine Psychomotorik und Mimik. Aspekte der Phantasie, wie Imagination und Traum, kreative Medien wie bildnerische Gestaltung und Musik kommen hinzu.

Die folgenden Therapiemethoden werden in unserer Praxis angeboten

  • Die tiefenpsychologische fundierte Psychotherapie

Hier geht es vorrangig um den im Erleben und im Verhalten des Patienten aktualisierten inneren Konflikt, zu erkennen, ihn zu verstehen und ihn in seiner Entstehung und Auswirkung durchzuarbeiten um eine therapeutische Veränderung in Gang zu setzen. Dabei sind die aktuellen Beziehungen und ebenso die biographischen Beziehungserfahrungen sowie das aktuelle Beziehungserleben in der therapeutischen Situation von Bedeutung. Es geht bei der Bearbeitung oft um einen komplizierten Zusammenhang von Bedürfnissen, Befürchtungen, von Selbstschutz-Haltungen und Initiativen. Bei Beginn der Therapie oder auch bei körperlicher Erkrankung kann eine stützende Therapie wichtig sein, die dem Patienten Entlastung und Selbstsicherheit vermittelt.

  • Die psychoanalytische Psychotherapie

Eine psychoanalytische Psychotherapie, auch kurz „Psychoanalyse“ genannt, bezieht sich auf sogenannte Neurosen. Diesen liegen unbewusste, aus der kindlichen Entwicklung stammende aber verdrängte Konflikte zugrunde. Dabei können psychische oder körperliche Symptome dann entstehen, wenn im späteren Leben ähnliche aktuelle Konflikte aufgrund ihrer Intensität nicht mehr bewältigt werden können. Bei dieser Form der Psychotherapie ist das Hauptziel die unbewussten und die Gesundheit beeinträchtigenden Konflikte, bewusst zu machen, damit eine realitätsorientierte Konfliktwahrnehmung und -bewältigung ermöglicht wird. In dieser Psychotherapie ist Raum für freies Gedankenspiel seitens des Patienten/der Patientin. Dabei wird vonseiten des Therapeuten/der Therapeutin ein Thema nicht vorgegeben. Dauer und Zeitaufwand einer analytischen Psychotherapie setzen in der Regel hohe Anforderungen an die Motivation des Patienten. Dabei sollte eine einigermaßen stabile äußere Lebenssituation in Ausbildung/Beruf vorliegen, da ein solcher Prozess längere Zeit in Anspruch nehmen kann.

  • Das Setting/der Rahmen

Psychotherapie findet als Einzeltherapie, als Gruppentherapie oder in Kombination beider, oder auch als Paar- oder Familien-Therapie statt. Vor jedem Beginn einer Psychotherapie ist zu entscheiden, ob sie im ambulanten Rahmen möglich ist oder der Patient/die Patientin eine stationäre Therapie benötigt.

Ziele der Psychotherapie

Allgemeines Ziel jeder Psychotherapie ist, den Patientin/die Patientin in die Lage zu versetzen, sich selbstkritisch zu hinterfragen und sich dabei weiter zu entwickeln und gegebenenfalls auch zu verändern. Als wichtige Besserungskriterien gelten sowohl eine Symptomreduzierung als auch eine seelische Umstrukturierung. Das kann eine länger laufende Psychotherapie erfordern. Wichtige Therapieziele sind das Verstehen und die Einsicht in die belastenden Konflikte, die Festigung der Persönlichkeitsstruktur und die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte sowie die Entwicklung hin zu einem Neubeginn. Dazu kann gehören die Übernahme der Verantwortung für Impulse und Gefühle, die Akzeptanz der eigenen Schwächen und schwierigen Wesenszüge, die Entwicklung bisher ungenutzter kreativer Bereiche und die Entwicklung und Anwendung von Konfliktlösungstechniken.

  • Der Therapiebeginn

Bei Therapiebeginn ist die Abklärung der Psychotherapieziele zwischen Patient/Patientin und Behandler notwendig. In wieweit sich dieser Konsens am Anfang finden lässt zeigt, in wieweit sich eine therapeutische Beziehung aufbauen lässt, wobei die Ziele im Verlauf der Therapie immer wieder neu angepasst werden können.

  • Der Therapieabschluss

Der Therapieabschluss setzt voraus, dass die entstandene Vertrauens-Beziehung zwischen Patient/Patientin und Therapeut/Therapeutin auch wieder gelöst wird. Mit diesem Ablöseprozess sind oft wichtige und in jedem Leben unvermeidbare Themen verbunden: wie das Thema der Grenzen. Dazu gehören unter anderem: zeitliche Grenzen, die eigene Begrenztheit, die Grenzen der Anderen und Grenzen im Erreichen von gesteckten Zielen. Das Thema Abschied konfrontiert immer mit diesen Themen und eröffnet die Chance einer Neuorientierung und eines Neubeginns unter veränderten Bedingungen.

Diese Einführung gibt einige Aspekte der psychotherapeutischen Arbeit wieder und mag Sie als Patient/Patientin anregen zu überlegen, was Ihre Erwartungen an die Psychotherapie sind, in welchem Bereich Ihr Leidensdruck für Sie deutlich wird und welche Anliegen Sie in die Psychotherapie mitbringen.