Psychosomatik in der Allgemeinmedizin

Heft 4/2016 - Anmoderation der Zeitschrift Ärztliche Psychotherapie und Psychosomatische Medizin mit dem Schwerpunkt-Thema: Psychosomatik in der Allgemeinmedizin

Wir freuen uns mit der Vorlage dieses Heftes aus zwei Gründen. Zum einen blicken wir damit auf eine 10-jährige Herausgebergeschichte zur ärztlichen Psychotherapie und psychosomatischen Medizin zurück und haben den Schwerpunkt psychosomatische Grundversorgung in das Heft mit aufgenommen und dies auch im Titel deutlich gemacht. Die Bedeutung der psychosomatischen Sichtweise und eine kommunikative Kompetenz wird in allen Fachgebieten der Medizin zunehmend deutlich.

Besonders erfreulich ist auch die Kooperation mit der Allgemeinmedizin. Dieses Fachgebiet bildet den Schwerpunkt in diesem Heft. Es wurde gestaltet von Prof. Dr. Markus Herrmann, Magdeburg (Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM), Mitarbeit in der AG Leitlinien). In seinem Editorial betont er, dass die wachsenden psychosomatischen Herausforderungen in der Primärversorgung schon 1984 dazu geführt haben, dass in der alten BRD die psychosomatische Grundversorgung in das Weiterbildungscurriculum mit einem 80 Stundenkurs für psychosomatische Grundversorgung aufgenommen wurde. Für die Ausdifferenzierung und Spezialisierung der psychosozialen Medizin ist die hausärztliche Versorgung mit psychosomatischer Kompetenz wichtiger denn je. Die vorliegenden Inhalte zeigen diese Spezialisierung und auch das weitere Potenzial künftiger Primärversorgung auf. Dabei geht es in einem Beitrag um die umfassende Versorgung von Patienten mit Angststörung und Depressionen, wobei der Hausarzt als erste Anlaufstelle und auch als Garant für eine kontinuierliche Betreuung eine hohe Bedeutung hat. Ein weiterer Beitrag geht auf Psychotraumata ein, die mitverantwortlich sind für eine Vielzahl psychischer und somatischer Störungen. Dabei ist es wichtig, deren Genese im hausärztlichen Kontext rechtzeitig zu erkennen. Hausärzten kommt dabei auch eine wichtige Mitwirkung bei der psychischen Stabilisierung zu, so z.B. durch ressourcenorientierte Interventionen. Außerdem erfahren wir die wachsende Bedeutung chronischer Erkrankungen, die ebenso eine besondere Herausforderung darstellen. Ein weiterer Beitrag zeigt, was eine regelmäßige Verlaufsbegleitung mit Bilanzierung leisten kann. Hervorzuheben ist auch die Bedeutung der fachgebundenen Psychotherapie innerhalb des allgemeinmedizinischen Fachgebietes. Sie gibt die Chance, Patienten einen niederschwelligen Zugang zur Psychotherapie zu ermöglichen und in diesem Rahmen eine beziehungsorientierte Psychotherapie zu gestalten. Schließlich sei noch hingewiesen auf einen Beitrag im Rahmen eines Forschungsprojektes, wobei untersucht wird wie Hausärzte deutend und handelnd mit Widersprüchlichkeiten und Zielkonflikten umgehen, z. B. bei der Attestierung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aufgrund psychischer Beschwerden. Daneben mag ein Beitrag zur Leib-Seele-Thematik in der Allgemeinmedizin in seiner philosophischen Orientierung Anregung geben.

Last not least finden Sie Informationen zu aktuellen Entwicklungen der Fachgesellschaften DGPM und VPK.

Als Herausgeber des Heftes wünschen die Autoren und Autorinnen und die Schriftleitung viel Freude beim Lesen.