Stress-induzierte Hyperalgesie

Heft 3/2016 - Anmoderation der Zeitschrift Ärztliche Psychotherapie und Psychosomatische Medizin mit dem Schwerpunkt-Thema: Stress-induzierte Hyperalgesie

Die Gastschriftleiter und Autoren dieser Ausgabe, Prof. Dr. med. Ulrich T. Egle, Gengenbach und Prof. Dr. med. Frank Leweke, Gießen stellen im Editorial den Stellenwert der Stress-induzierten Hyperalgesie vor und beziehen sich damit auf die Inhalte der Jahrestagung der Interdisziplinären Gesellschaft für Psychosomatische Schmerztherapie (IGPS). 

Der Begriff „Stress-induzierte Hyperalgesie (SIH)“ stammt aus der Grundlagenforschung. Die Ergebnisse aus tierexperimentellen Studien und Studien am Menschen zeigen die Bedeutung biologischer und psychosozialer Stressoren in der frühen Entwicklung, die zu einer erhöhten Schmerzvulnerabilität im späteren Leben führen so dass Schmerz sogar ganz ohne peripheren Input ausschließlich zentral generiert werden kann. 

Der Beitrag von Gerhard Roth und Ulrich Egle gibt einen Überblick über den aktuellen Wissensstand frühkindlicher Prägungen auf das Stress- sowie auf das Schmerzverarbeitungssystem. Deutlich wird eine breite Überlappung zwischen Stress- und Schmerzverarbeitungssystem auf neurobiologischer wie molekularbiologischer Ebene, so dass die Frage gestellt werden muss, ob es sich tatsächlich um getrennte Systeme oder eher um Jahrzehnte lang getrennte Forschungsstrategien handelt?

Die Differenzierung zugrundeliegender Pathomechanismen ermöglicht eine fokussierte und personalisierte Psychotherapie-Behandlung verschiedener Formen chronischer Schmerzen. Dies erübrigt unspezifische Therapien (z.B. Schmerzbewältigungstraining, jahrelange Opiatverordnungen) und kann in vielen Fällen einer weiteren Chronifizierung vorbeugen. Ebenso führt diese Differenzierung bei SIH-Patienten zu anhaltender Schmerzfreiheit infolge einer multimodalen psycho-somatischen Behandlung, wie die Kasuistiken in den Beiträgen dieses Themenheftes illustrieren. 

Last not least finden Sie Informationen zu aktuellen Entwicklungen der Fachgesellschaften DGPM und VPK. 

Als Herausgeber des Heftes wünschen die Autoren und Autorinnen und wir viel Freude beim Lesen.